Die Krimis und die Lyrik
Sylvia B. und Tuna v.B.

»Der Kinderschänder und sein Anwalt - Ein Krimi, der auf wahren Begebenheiten basiert …«   

ist als fünfte Kriminalroman in der »Mache«.


Der Krimi - wie er entsteht

Wie spannend kann es sein, wenn ein Krimi entsteht. Eigentlich hatte ich sonst die Entstehungen für mich behalten. Bei diesem neuen Krimi mache ich das anders. Mache es halt anders als bisher.

Sehen können wir entstehende Kapitel in einem Buch, eben auch in einem Krimi. Das besteht auch aus mehreren Szenen.
Im Blog eine Szene, vorab eine kurze vorgehende Situation bzw Überlegung. Es soll also um ein Opfer gehen. Eine Frau, sie hat einen Anschlag überlebt. Natürlich ist das passiert, weil sie u.a. einen Pädophilen erwischt und, sie wie es sich gehört, die Polizei informiert hatte. So hatte Marion diesem Kinderschänder auch die Tour versemmelt. Also ganz einfach beschrieben. 

Wie es normal ist in solchen Krimis, gibt es die Guten und die Bösen. Und so gibt es natürlich Beschreibungen, wie erst erscheinenden Guten eigentlich in sich böse sind. Die Namen A und Z usw. 

Das Opfer soll vorab Marion Sundes genannt werden. Aus ihrem Umfeld: C, Michael, Mio.
Der Kinderschänder: Emil Wolfbring. Die Frau des Kinderschänders Doris Wolfbring. 


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Text 12 Szene: Nachts schlafen die Ratten doch nicht

In der Nacht war der Frost über den kleinen Garten gezogen. Aber die Sonne schien und der Tag dürfte auch etwas wärmer werden, als die Nacht. Natürlich hatte Sylvia wieder schlecht geschlafen.

Damals, in der Zeit als sie zu Schulen ging, gehörte der Schriftsteller Wolfgang Borchert mit seinen Texten zu den Lehrplänen. Wobei damals viel Wert auf Prosa gesetzt wurde.

Er beschrieb eine Stadt, die zerstört war. Dort war ein Junge, wohl neun Jahre alt, der auf seinen kleinen Bruder aufpassen musste. Der bereits für den älteren Bruder dort nicht mehr erreichbar war. Weil das Kind tot unter dem Schutt lag. Aber der Junge musste über ihn wachen. Es hatte jemand gesagt, dass die Ratten nachts kamen und seinen kleinen Bruder auffressen würden. So fehlte dem Jungen der Schlaf, weil er das verhindern wollte. Obwohl er ihn nicht erreichen konnte. Ihn nicht ausgraben konnte, damit er dann seinen kleinen Bruder in den Arm nehmen, um ihn dann auch zu trösten versuchen wollte und irgendwie damit auch sich selbst.

Dann kam ein anderer Mensch und sagte dem Jungen, nachts schlafen die Ratten doch. Eine Lüge hatte dazu geführt, dass der Junge schlafen konnte. Ein Text, der Sylvia ihr Leben lang begleiten würde. Entstanden 1947, damals als Trümmerliteratur erklärt. Wobei es ihr völlig egal war, dass der Text damals zur Prosa erklärt wurde.

Sie trug sich mit der Frage, dem Kind mit einer Lüge Hoffnung zu geben. Wohlwissend, dass die, die den größten Vorteil hatten, Ratten waren. Die Ratten heute und auch in der Zukunft weiter Vorteile haben werden.

Natürlich sieht Sylvia Nachrichten. Sieht Städte, von Bomben in Trümmer gelegt. Sieht Erwachsene, junge Menschen und auch Kinder, die verzweifelt in den Trümmern Menschen und Kinder suchen. Wobei es ihr eigentlich völlig egal ist, wo sich dieser Ort befindet. Und es sind Opfer, die unter dem Schutt liegen und Opfer, die in dem Schutt wühlen auch verhindern wollen, dass die Ratten die Verschütteten auffressen werden.

Wobei es auch egal sein dürfte, welcher Religion, welcher politischen Richtung oder auch Nationalität Menschen angehören. Es gibt nur Opfer und Täter. Wobei es dort wo Sylvia lebt keinen Krieg gibt. Und doch gibt es Opfer und Täter. Sie hatte schon Probleme, sie bekam damals gesagt – hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. So einfach machen es sich manche.

Natürlich gibt es Sinn, sich vor Tätern zu schützen. Sie hatte es mit Beweisen versucht. Was niemanden interessierte. Die Kameras im Innenhof funktionierten schon, weil sie einfach ein Schild geschenkt bekommen hatte und es auf hing. Auf dem steht, dass der Bereich mit Videos überwacht wird. Es ging einfach nur um die Räder und Tretroller, die auch endlich geschützt waren. Aber im Grunde genommen, ging es um Geld, um Eigentum, das zu schützen gilt.

Es ist natürlich schwierig, quasi Beweise vorlegen zu können, wenn es niemanden interessiert. Doris Wolfbring versuchte sich in schriftlichen Drohungen. In dem sie Sylvia als kleine Behinderte bezeichnete und dabei ein übelstes Wort zur Beleidigung nutze. Auch, dass sie sich endlich wegmachen sollte. Wobei sie schrieb, dass sie dafür sorgen würde, dass sie keine andere Wohnung in dem Ort bekommen würde, dafür wollte sie sorgen. Was ihr nicht gelang. Es gibt Sinn zu flüchten. Wobei Täter es sich einfach machen und dann ihre Opfer als Behinderte bezeichnen.

Was auch schriftlich mitgeteilt wurde, dass Sylvia in ihrer eigenen Welt leben würde. Dass ihr Gemüt nicht mehr positiv, streckenweise sogar unverständlich sei, sie sei sogar erschreckend und infantil. Wobei die Täterin von einer Angst schreibt die vorhanden sein soll, dass sie schon träumt, in den Knast gebracht zu werden. Eigentlich sollten Täter auch dort landen. Es gibt tatsächlich zuständige, die das glauben, oder auch nicht. In der Regel geht es dann aber nur um Geld, so waren es Sylvias Erfahrungen, die sie in den Jahren so sammelte.

Es war an irgendeinem Tag, als der Zuständige meinte, im Innenhof Pflanzen schneiden zu müssen. Damit der Zaun wieder frei zu betrachten war. Später sah natürlich Sylvia die Videos. Ihr wurde übel, als sie Doris Wolfbring sah, wie sie sich einem Kind näherte, welches der Zuständige mitgebracht hatte.

Doris hatte ihre Hände in der Art Strickjacke versenkt. Und während sie sich diesem Kind näherte, drückte sie ihre Hände zu ihrem Intimbereich, wo sich irgendwo ihre Vulva befindet um dann dort auch rhythmisch ihre Hände in Tätigkeit brachte. Irgendwann verschwand der Junge. So näherte sich Doris dem Zuständigen, zog ihre Hände aus der Jacke, führte die Arme schnell zu ihrem Rücken. Wie mit einem Ruck bewegte sich ihr großes Brustvolumen in eine höhere Position.

Vermutlich hatte sie den Zuständigen gelobt, weil er den Zaun freigemacht hatte, damit endlich wieder durch die Spalten zwischen den Sichtschutzstreifen der Nachbargarten zu betrachten sein wird. Damit natürlich von Emil Wolfbring wieder Blick auf die Kinder der Nachbarn geworfen werden kann. Was Doris dem Zuständigen vermutlich nicht so mitgeteilt hatte.

Irgendwann war er alleine im Innenhof, dachte wohl, dass die Kameras ihn nicht aufnehmen konnten, weil er nahe dem Schuppen stand. Es war doch eine weitere Kamera, die er nicht gesehen hatte, die aber ihn. Sein Rücken war zu sehen, sein Gesicht nahe an den Spalten des Zaunes. Seine Hände waren nach unten geführt. Es hatte ja neue Nachbarn gegeben, die junge Frau sehr schön, ihr junge Mann sah auch frisch und jung aus. Kinder mussten sie auch haben, aber der Zuständige stand vermutlich nur auf Frauen. Im Gegensatz zu Emil Wolfbring. Der definitiv nicht auf Frauen stand, auch nicht auf Männer, aber dafür auf Knaben.

Nachts nehmen die Kameras Ratten auf, wie die aus dem Schuppen und dann zurück zum Schuppen eilten. Aber auch am Tag. In dem kleinen Garten hatte Sylvia irgendwann zwei kleine Teiche angelegt. Mit Seerosen, eine rot, die zweite leicht rosa. Sie musste sie abbauen, das war ihr schon klar, denn die Pflanzen und auch Goldfische wollte sie unbedingt mitnehmen. Den neuen Teich hatte sie schon in der neuen Wohnung in dem Garten dort angelegt.

So kam Mio um zu helfen. Mit einem starken Stock in der Hand bewegte er sich zu einem Teich und Schlug mit dem Stock auf den Boden und trampelte dabei mit seinen Füßen um den Teich. Sylvia hatte sich vor die Eingangstür der Wohnung zurückgezogen. Sie wollte flüchten, für den Fall, wenn es gefährlich für sie wurde. Die Ratten kamen aus ihren Gängen, flüchteten aber in Richtung anderer Gärten. Mio versuchte noch, eine Ratte mit seinem Stock zu erwischen. Was ihm nicht gelungen war, aber Sylvia auch nicht vermisste.

Sylvia hatte es nicht vor, länger den Schimmel in den Wänden, die Ratten im Garten oder auch den Kinderschänder ertragen zu müssen. Wobei ihr absolut klar ist, dass die Kinder die Opfer sind, keine Chance gegen solche Täter hatten, jetzt keine haben und auch keine in der Zukunft haben werden.

Und die Ratten werden auch nachts nicht schlafen.


Text 11 Szene: Eigentum verpflichtet

 

Es war ja nicht so, dass Marion vergessen hatte, irgendwo um Hilfe zu bitten. Der Tenor als Antwort war natürlich in der Regel, dass sie sehen sollte, woanders eine andere Wohnung zu finden. Was natürlich Sinn gab. Eine Frau meinte, sie hätte es schon längst zum dritten Mal geschafft auszuziehen. Nun haben sich die Zeiten längst geändert. Natürlich dürfte mit einem guten Einkommen solche Entscheidungen getroffen werden. Marion stand mit ihrer Rente da und damit in einer anderen Situation. Menschen, die dem Krieg entkommen waren, mussten irgendwo untergebracht werden. Preiswerte Wohnungen zu finden, hatte sich zu einer Unmöglichkeit entwickelt.

Dann kamen die Aktionen von Doris Wolfbring. Sie beschrieb Zettel, meinte die Verteilung würde dafür sorgen, dass damit Druck auf andere Menschen ausgeübt wird. So konnte Marion dann auch lesen, dass Doris dafür sorgen würde, dass sie keine Wohnung in dem Ort finden würde. Dafür wollte Doris sorgen. Das war schon eine der heftigen Mitteilungen, die eben auch noch schriftlich erstellt wurden.

Das sollte bedeuten, dass Marion den Ort verlassen sollte, damit Emil wieder freien Raum für seine »Geheimnisse« bekam, die er mit Kindern wiederhaben wollte, dass er sich wieder frei entfalten könnte.

Marion erinnerte sich an die Zeit, die sie vor dem Einzug der Wolbrings erlebte. Damals lebte eine alte Frau in diesem Haus. Sie gehörte irgendwie zu der Verwandtschaft der Besitzer. Natürlich war ihre Wohnung vorher renoviert worden. Als Marion die Wohnung neben der Dame einzog, genoss sie vom ersten Tag an das herzliche Wesen der älteren Frau. Es war auch irgendwie ein älteres Haus und natürlich hätte längst etwas getan werden sollen, auch in ihrer Wohnung. Und doch hatte Marion das Gefühl, auch alt in diesem Haus werden zu können. Sie fing damit an, ihren kleinen Garten zu lieben. Der alten Dame begann sie im Vorgarten behilflich zu sein. Als die Dame starb, war Marion sehr traurig über den Verlust. Den Vorgarten übernahm dann Marion und fing auch an, diesen Vorgarten zu lieben.

Dann zogen Wolbrings ein und der Terror begann. Wobei die beiden erst versuchten, Marion auf ihre Seite zu ziehen. Sie erinnerte sich, weil irgendwann, es war an einem Wochenende, Doris bei ihr klingelte. Sie teilte ihr mit, dass im Keller Wasser auslaufe und der Keller volllaufen würde. Die Menge Wasser war bereits gut 10 cm in der Höhe gewachsen. Marion rannte zu einem Mann, der sonst irgendwie in der Verantwortlichkeit tat.
In schlechter Laune folgte er Marion, ging in den Keller, drehte dort einen Wasserhahn zu, fluchte, um dann den Ort wieder zu verlassen. Emil Wolbring hatte sich das Spektakel in geringem Abstand lachend betrachtet. Er ist davon ausgegangen, dass dieser »Zuständige« mit der Arbeit begann. Das tat er nicht, auch die Besitzer des Hauses wurden nicht aktiv. Das war etwas, was für Marion klar war. So hatte sie umgehend begonnen, das Wasser aus dem Keller zu schaffen. Irgendwie wuselte dann auch Doris mit einem Eimer im Keller. Natürlich hatte sie ihren Kellerraum nicht vollständig trockengelegt. So setzte sich dort der Schimmel durch.

Es dauerte nicht lange, als Doris bei Marion klingelte, um ihr wieder etwas zu zeigen. Sie bat in ihr Wohnzimmer. Der Raum war hoch geheizt. Natürlich vollgestellt mit Möbel. Irgendwie passte noch ein Wäscheständer in den Raum. Doris bewegte sich zu einem Sessel, der in dem Raum stand. Sie schaffte es, ihn an die Seite zu bewegen. An der freigestellten Stelle befand sich auf den Fliesen Schimmel.

Es musste eine Verbindung zwischen Sessel und Fliesen geben und sich mit Sicherheit auch unter den weiteren Möbeln. Marion wies auf die Höhe der Luftfeuchtigkeit hin, dass es nicht gut sei, noch nasse Wäsche in das Wohnzimmer zu stellen. Irgendwie hatte Marion das Gefühl, dass sie sich ihr Reden sparen könnte. In dem Alter von Doris hätte sie das längst wissen müssen.

Nachdem Marion den pädophilen Versuchen des Emil Wolbring an dem Nachbarkind verhindert hatte und es zu der Anzeige kam, empfand es Marion wichtig, den Kontakt zu Wolbrings völlig abzubrechen. Es kam zu massiven Schäden, die an dem Haus von Wolbrings getätigt wurden. Das galt auch für den Vorgarten. Wobei es Marion eigentlich erwartet hatte, dass die Besitzer des Hauses irgendetwas unternehmen würden, um das zu verhindern. Das geschah nicht.

Wobei es auch dazu kam, dass es sich nicht mehr rechnen würde, Schäden am Haus zu beseitigen. Diese Entwicklung war eben nicht Marions Einstellung. Für sie war Besitz Verpflichtung. Besonders dann, wenn dieser Besitz auch von Menschen benutzt wird, die auch dafür bezahlen müssen. Das ist ja auch nicht ehrenamtlich, Besitz zu haben. Es schien auch nicht möglich zu sein, zuständige Behörden um Hilfe zu bitten. Zuständig war niemand.

Auch als Marion die Behörden bat, etwas gegen die Ratten zu unternehmen. Die hatten sich schon vermehrt, brachten gut alle 8 Wochen Nachwuchs zur Welt. So hatte Marion auch Ekel und Befürchtungen, den kleinen Garten zu betreten. Sie waren bereits am heiligten Tag auf der Suche nach Futter. Was sie natürlich nicht von Marion bekamen. Wobei es seit neuestem menschliche Parasiten, Läuse und Flöhe, gewesen sein sollen, die als Überträger des Pestbakteriums im Mittelalter tätig waren. Wobei zu der Pest auch Ratten halfen. Natürlich findet sich dazu keine Behörde, die zuständig sei. So einfach ist das.

So sollten viele Dinge insgesamt eine Verantwortung fordern.

Am Sonntag stand Marion in ihrem Schlafzimmer. Sie hatte das Fenster auf kippe, um zu lüften. Emil Wolbring kam aus dem Haus. Sein Kopf war tiefrot vom Alkohol gefärbt. Wieder rief er seine Beleidigungen und sein Hinweis, Marion zu erwischen. Tatsächlich hatte er das Taxi vorgefahren, welches er auf dem entfernten Parkplatz stehen hatte. Was ja nicht sein Eigentum war. Er hielt das Taxi nahe an seinem PKW. Er stieg aus, öffnete die Tür an der Seite. Die Sitze waren von Marion zu sehen. Dann bewegte er sich zu dem PKW, öffnete dort auch den hinteren Bereich und holte gelbe Tüten heraus, in dem sich die Kindersitze befanden. So holte er zwei Tüten, legte sie auch auf die Sitze des Taxis. Schloss alle hintere Türen, setzte sich an das Steuer des Taxis und fuhr los.

Eigentlich hatte sie gedacht, irgendwas geändert zu haben. Verantwortung bestand für sie auch für Kinder. Auch wenn es Kinder sind, die sie nicht kennt, aber die nicht von einem Pädophilen von A nach B befördert werden können. Seine Neigung nicht nur damit beschränkt ist, die Kindersitze zu beschnüffeln. Es ist auch die Art, wie er zum zuschlagen seine Faust benutzt. Für Marion war es schon klar, dass er die Faust auch bei Kindern benutzt, wenn sie nicht mehr mit seinen Geheimnissen zu tun haben wollen. Die Verantwortung brachte für Marion nur das Gefühl von Hilflosigkeit …

 


Text 10. Szene: Der pädophile Grundschullehrer

Es ist natürlich kein Spielzeug, was sich Marion zugelegt hatte, es ist selbverständlich ein Sportgerät. Mit dem bodennahen Trittbrett des Tretrollers, was Marion zwischen 25 und 30 km fast jeden Tag leisten ließ und lässt, was sie eben als sinnvoll ansieht. Aber die Ursache daran lag, weil sie nach dem Anschlag und dem Überleben, im Rollstuhl zuerst verbrachte. Das war für sie unerträglich, eben wie die Unfähigkeit zu sprechen oder zu schreiben. Das Training brachte ihr eine körperliche Verbesserung. Wobei ihre Touren sich auf ihr Herz-Kreislauf-System positiv wirkten. Sie hatte sich kundig getan, so würde eine Stunde Training zwischen 700 und 950 Kalorien auf sie wirken. Sie begann natürlich täglich mindestens zwei Stunden zu fahren, sie musste es halt immer übertreiben.

So trug sie wie jeden Tag das Sportteil aus der Wohnung, wo sie es unterbrachte. Über das Treppenhaus war ihr nicht möglich, auf keinen Fall wollte sie sich in Gefahr bringen. So beförderte sie das Sportteil über die Terrasse, durch den kleinen Garten, dann über den winzigen Eingang in den Innenhof, der durch die Kameras überwacht wurde. Danach ging sie den Weg zurück und verließ ihre Wohnung durch die Tür, schützte sich im Treppenhaus mit einer Art Knüppel in der Hand. Das wirkte. Wolfbring`s hielten Abstand, wenn es doch eine Begegnung gab. Vorsicht wurde für Marion mittlerweile zu einer Zumutung. Damit stand sie mit dieser Meinung nicht alleine da.

Diese Jahreszeit, und damit dem Oktober, gefiel ihr in diesem Jahr ausnahmsweise. Die Sonne schien, es war nicht kalt, nur der Wind war manchmal zu stark. Bei Gegenwind wirkte es schon fordernd, Rückenwind dagegen brachte Spaß an der Bewegung. Ihr Kopf brauchte Freiheit. Dann ließ sie auch manchmal zu, dass sich Gedanken hoch begeben, die sich eigentlich in dem Keller der Seele befanden, die auch ein Pförtner bewachte, aber dass es manchmal Sinn gab, diese Gedanken zuzulassen.

Das, was sie bereits durchlitten hatte, lag mehr als 30 Jahre zurück. Damals dachte sie auch, dass sie alles auf »die Reihe bekommen würde«. Damals lebte sie in einem Dorf, zusammen mit ihrem Sohn, der sich bereits in der vierten Klasse der dortigen Grundschule befand. Nach und nach waren seine Schulleistungen in den Keller gerutscht. Der zuständige Grundschullehrer erklärte ihr irgendwann, dabei auch grinsend, dass ihr Sohn in einer Sonderschule untergebracht werden sollte. Marion verstand damals irgendwie die Welt und damit ihre Situation nicht mehr. Wobei ihr Sohn auch irgendwann die Schule nicht mehr besuchen wollte.

Marion rollte von der Gemeindestraße und befuhr dann den Wirtschaftsweg, dabei trat sie intensiver und beschleunigte darum mit ihrem Tretroller. Rechts und links von ihr waren die Maisfelder bereits abgeerntet. Der Blick wirkte befreiend für sie und wirkte darum auf ihre Erinnerung.

Sie war nicht die einzige, die damals litt. Die Opfer und auch die Angehörigen litten. Wobei es gab die, die litten und die, die sich Vorteile herausholten. Damals saßen Kinder in ihrer Küche und sie fingen an davon zu berichten, dass ihr Lehrer sie befummelte, ihnen viel zu nahekam. Auch dort anfasste, wo es beschämend war, dort angefasst zu werden.

Marion hatte umgehend ein Treffen der anderen Eltern organisiert. Daran erinnerte sie sich, dass es einen Schnaps dazu gab, das wurde auch gebraucht. Marion erinnerte sich genau, dass sie zwei gekippt hatte und beide hatten keine Wirkung bei ihr, was sie in der Tat überraschte. Mit zwei Müttern wurde umgehend bei der Polizei eine Anzeige gemacht. Bereits am nächsten Morgen war der Lehrer nicht mehr in der Schule zu sehen, dafür Kriminalbeamtinnen, die vor der Klasse standen und dann einzeln Kinder dazu befragten. Die Kinder redeten frei und bestätigten die Aussagen.

Damals hatte eine der Mütter gesagt, dass bereits ein weiteres Kind vor vier Jahren diesen Lehrer hatte und das war schon schlimm, was er sich erlaubt hatte. Bei dem Kind in dem Jahr muss es sogar noch schlimmer gewesen sein. So sprach sie aber das änderte sie umgehend, nachdem der Schulleiter sie besucht hatte. Sie schwieg und zog auch die Anzeige zurück. Der Schulleiter hatte sich auch am folgenden Tag vor der Polizei in die Klasse gestellt und den Kindern klargemacht, dass sie dem Lehrer sowas nicht antun dürften, dass ihnen schlimmes passieren würde, wenn sie weiter auch nur etwas über ihn verraten würden. Die Kinder schwiegen und von den Beamten bekam er einen Rüffel.

Die Psychologin, die sehr aktiv war, erklärte irgendwann nicht nur Marion, dass dieser Lehrer sich »den Appetit in der Klasse holt, essen würde er zuhause«. Er war verheiratet und hatte ein Mädchen und einen Jungen. Ruhe kehrt nicht ein. Irgendwann rief eine Frau und Mutter aus der entfernten Stadt bei ihr an. Natürlich war sie informiert über den Grundschullehrer, der tatsächlich in der Grundschule ihrer Stadt versetzt worden war. Dort hatte sie einen Sohn in der Klasse des versetzten neuen pädophilen Lehrers. Von Marion wurde erwartet, dass sie etwas unternehmen wird, denn irgendwie sollte sie zuständig sein. Für was?

Der Wirtschaftsweg endete und gab den nächsten Weg frei. Rechts und links rollte sie an eingezäunten Wiesen vorbei, wo sich Pferde befanden, die Marion freundlich betrachteten, wenn sie vorbeikam, so bildete sich Marion ein. Am Ende des Weges befand sich eine Straße, die sie überqueren musste. Der folgende Weg war ansteigend, sie musste sich bemühen, ihn auch zu schaffen. Dafür brauchte sie Kraft, die sie aber auch mittlerweile hatte.

Damals war es ein hartes Gespräch, das Marion am Telefon führte. Die andere Mutter, die Marion knallhart berichtete, dass es Kinder in der Klasse gab, die einer anderen Nationalität angehörten, deren Eltern sich trafen, gemeinsam beteten und dann auch Gespräche miteinander führten. Die es erfahren hatten, dass ein neuer Lehrer ihren Kindern vorgesetzt worden war, der aus dem Vorwurf, sich Kinder gegenüber sexuell betätigt hatte, an der anderen Schule nicht mehr tätig sein durfte. Nun hatten diese Eltern eine Entscheidung getroffen. Sie sahen diesen Lehrer als Problem, das sie lösen wollten, sogar mussten. Sie hatten bereits eine Person gewählt, die bereits »mit einem Messer zwischen den Zähnen« dem Lehrer begegnen wollte und auch sollte.

Den ersten höheren Bereich hatte Marion erreicht. So machte sie eine kurze Pause und trank ein paar Schlucke aus der Flasche Wasser, die sie bei ihrer Tour mitnahm. Links von ihr leben die Rehe, auf der anderen Seite kann sie die Pferde weiden sehen. Sie dürfen auch die Nacht im Freien verbringen. Kein Stall der sie einengt. Sie genießen ihr Leben in Freiheit die von einem Weidezaun zum anderen reicht.

Damals war es Marion gelungen, ein junges Fernsehteam zu aktivieren. Sie konnte auch heute nicht mehr darüber lachen, als sie sich daran erinnerte, wie sie den Bericht begonnen hatten. So wartete das Fernsehteam an der Schule auf den Grundschullehrer. Zuerst freute der sich, als er dann direkt auf seine Neigung angesprochen wurde, drehte er sich kommentarlos um und flüchtete von dem Ort. Dabei wurden seine Schuhe aufgezeichnet, die Kamera war dann auf die Sohlen seiner Schuhe gerichtet. So war das Problem der Eltern dieser Schule gelöst und die Messer wurden auch von den Zähnen entfernt.

Natürlich sammelte das Fernsehteam weitere Infos zu dieser ganzen Sache. So wurde versucht, die entsprechende Schulaufsicht telefonisch zu erreichen. Auch darüber konnte Marion  damals nicht lachen. Aber ganz schlimm war die Aufzeichnung, die sie mit der zweiten Mutter zeigte. Beide betrachteten ein beschriebenes Papier, erstellt für den Grundschullehrer, der sich so bemüht hatte für die Schüler. Und da stand geschrieben, dass sie traurig waren, dass er die Schule verlassen musste. Unterschrieben von weiteren Müttern und Dorfbewohner.

Was allerdings auch heraus kam war, dass diese unterschreibenden Mütter für ihre Kinder eine Bescheinigung erhalten hatten, dass ihre Kinder für das Gymnasium in Klasse 5 erreicht hatten. Denn der Grundschullehrer durfte dort nicht mehr unterrichten, aber Empfehlung für das Gymnasium durfte er erstellen, die Zeugnisse hatte er auch erstellen können. Dieser Mann blieb in dem Dorf. Marion zog weg, zog in eine größere Stadt und konnte ihren Sohn in einer Schule unterbringen, einer Einrichtung, die sich in freier Trägerschaft befand. Das kostete natürlich Geld, dass sie damals hatte und sich auch leisten konnte. Nicht so wie die andere Mutter, das Kind musste in eine Sonderschule.

Gedacht hatte Marion, dass dieser Grundschullehrer den Rest seiner Jahre in irgendeinem Keller verbrachte, um irgendwelche Bücher sortieren musste. Irgendwann 15 Jahre danach erhielt sie eine News aus einem Dorf aus einem anderen Kreis. Warum sie das bekam, konnte sie sich nicht erklären. Der Inhalt traf sie aber sehr hart. Das Dorf hatte sich verabschiedet von dem liebenswerten Grundschullehrer, der in Rente ging, feierlich und humorvoll wurde er in den wohlverdienten Ruhestand entlassen.

Das letzte Stück musste Marion ihren Tretroller schieben. Dann hatte sie endlich den höchsten Bereich des Fliegerberges erreicht. Wie still es für Marion dort ist, wie friedlich, wie manchmal es auch in früheren Zeiten manchmal so war. Dann konnte ihr Blick nicht weit genug gerichtet sein. Ein freies Feld bis der Horizont endete, da, wo scheinbar ein Wald beginnt. Aber bis dahin wünschte sie sich einen weiten Blick. Wobei genau dort, weiter unten, entdeckte sie die Hochlandrinder, die sich friedlich bewegten.

Über den Wäldern kann sie noch die Spitze der St. Remigius Kirche erkennen. Auch dort sollen vor mehr als 30 Jahren junge Menschen missbraucht worden sein. Die brauchten den Tod des Priesters, um reden zu können. Die Sportler, die auch erst nach Jahren über den Trainer reden können. Und was hat die Anzeige gegen den Grundschullehrer gebracht? Die Flucht von ihr und ihrem Sohn aus dem Dorf. Der Lehrer musste 5.000 D-Mark zahlen. Bestimmte das Landgericht. Jetzt ist er ein Taxifahrer und eine Anzeige von Marion, wobei sie fast draufgegangen wäre.

Der Fliegerberg machte ihren Kopf frei. Wie bestimmte Ereignisse so Einfluss nehmen können auf ihre Lebenseinstellungen, auf ihr Verhalten auf ihr Tun. Da fühlte sie sich viele Jahrzehnte lang als eine überzeugte Pazifistin. Aber war viele Jahrzehnte lang von Gewalt umgeben. Erlebte jetzt selbst Gewalt, als Pazifistin eben irgendwie wie das Lämmlein inmitten der Wölfe. Marion überlegte, ob sie einen Teil von sich preisgeben will, das scheinbar in all den Jahren irgendwo zwischen Groß- und Stammhirn geschlummert hatte. Und dann? Es wäre nicht mehr als das Lämmlein zu sein, dass sich scheinbar den Wolfspelz übergezogen hat und dann nach Art der Wölfe blökt?

Ihr Blick wanderte auf den Weg, der sich nahe des Waldes verlief, weiter entfernt unten vom Fliegerberg. Sie musste die Ruhe verlassen, aber der Weg dorthin hatte sie wieder stark gemacht. Das wird sie auch wieder benötigen, vermutlich sehr viel Kraft …


Text 9. Szene: Die brutalen Versuche

Es gab eine Zeit, bevor Wolfbring in die Wohnung, gegenüber die der von Marion lag, eingezogen waren. Ein älteres Haus, in dem sie wohnte und eigentlich hätte einiges getan werden müssen. Irgendwie hatte es sich ergeben, dass auch im Vorgarten etwas getan werden musste. Marion gefiel das und so kümmerte sie sich um den Vorgarten, auch um den Innenhof. Die Miete zu zahlen war für sie kein Problem, so blieben für sie auch ein paar Euro übrig, um auch Blumen und Pflanzen in ihren kleinen Garten und auch in den Vorgarten zu pflanzen. Ihre Katzen sorgten dafür, dass sich Mäuse und auch Ratten nicht ausbreiten konnten. Es war gut, dass sie selber Fotos ihres Tuns erstellte. So konnte sie das viel später noch betrachten.

Aber erst zogen irgendwann Wolfbring`s ein. Zuerst musste Michael den Stress mit den Beiden ertragen. Mio zog irgendwann in das Haus. Zum Begrüßen donnerte Emil Wolfbring das Fahrrad von Mio gegen die Wand des Hauses. Beschimpfungen wurden fast schon täglich getan. Bei Marion begann es, nachdem sie ihn der Polizei gemeldet hatte. Für sie war es eigentlich eine Pflicht, die Polizei in Kenntnis zu setzen, wenn ein Mann sich deutlich zu nahe einem Kind nähert und mit dem Kind »Geheimnisse« haben möchte.

Dass sich Marion in der vergangenen Zeit immer wieder fragen musste, dass diese gedachte Pflicht ein gnadenloser Fehler war, schmerzte ihr sehr. Dass sie dann in die Situation kam, dass sie eine schwere Körperverletzung auch noch überleben sollte, aber den verantwortlichen Tätern nichts nachweisen konnte, war ebenfalls sehr schlimm für sie.

Der Ärger und der Stress hörten nicht auf. Es war ein weiterer Zettel, den auch Michael und Mio belasteten. Doris hatte es überhaupt nicht gepasst, dass die Mitmieter darüber sprachen, dass ihr Emil sie wieder verprügelt hatte, dass er sogar seine Bierflaschen nach ihr in der Wohnung geworfen hatte. Glas zerbrach, die Scherben fielen laut auf die Fliesen. Der Dackel jaulte.

Mio, der ja über den Beiden lebte, hatte es in seiner Wohnung wieder gehört. Zudem auch das Geschrei von Emil. Danach war wohl Ruhe, Doris war wieder getroffen worden und schwieg. Es war eine Weile her, als Michael im Treppenhaus von Emil Wolfbring mit einer Schnapsflasche beworfen wurde. Die hatte ihn knapp verpasst, landete neben ihm an der Wand und fiel mit Krach auf die Fliesenplatten.

Auf dem Zettel, den sie am nächsten Tag an ihre Wohnungstür anbrachte, teilte Doris mit, »dass es sein könnte, dass eine Flasche an den Kopf fliegt und die auch von ihr geworfen wird, die das Gehirn dann aufräumen würde.«

Die Antwort außenstehenden Personen bestand an Marion in der Regel darin ihr vorzuwerfen, dass sie längst ausziehen hätte müssen. Einfacher wäre es, wenn Doris ihren Mann Emil vor die Tür setzen würde. Was Doris nicht machte und wohl auch nicht machen würde. Die meisten freistehenden Wohnungen, die für Marion in Frage kamen, kosteten entsprechend mehr Geld. Mit ihrer Rente war das nicht machbar. Zum Sozialamt zu gehen und dort um Zuschüsse zu bitten, kam für Marion nicht in Frage.

Und doch schien es gefährlich zu sein oder zu werden, sich mit Pädophilen anzulegen.

Geplant hatten Wolfbring`s es wieder, Marion anzugreifen, dabei hatte sie aufgepasst, als sie die Wohnung verlassen wollte. Sie war im Innenhof und wollte mit ihrem Tretroller los als sie merkte, dass sie etwas Wichtiges vergessen hatte. So lief sie zurück, eilte schnell in ihre Wohnung, ging wieder in den Flur, schloss die Tür wieder ab, wandte sich, um den Flur wieder zu verlassen. Sie hatte nicht gehört, als Wolfbring seine Wohnung verlassen hatte. Ohne zu zögern stürzte er Richtung Marion, sein Gesicht mit hasserfülltem Ausdruck dunkelrot gefärbt. Wieder sah Marion wie er seinen Arm angewinkelt vor seinem Körper hielt, wieder hatte er die Hand zur Faust gebildet. Wieder hatte er seinen Daumen mit drei Fingern geschlossen. Damit wollte er nicht nur drohen, damit machte er Marion klar, dass er die Gewalt seiner Faust gegen Marion einsetzen wollte.

Im Prinzip eine Sache, die sich innerhalb ablaufenden Sekunden ereignete. Marion hätte keine Chance gehabt. Zurück in die Wohnung ging nicht mehr, an ihm vorbei und dann zu flüchten war nicht möglich.

Ihren Arm streckte Marion vor, die Hand war auf halber Höhe, reichte in die Richtung des Dackels, der Wolfbring natürlich bei dieser Aktion begleitet hatte. Nur einen kurzen Druck auf den Pfefferspray, was dazu führte, dass ein Hauch sich in die Bewegung des Wolfbring bewegte, der sich umdrehte und in seine Wohnung wieder stürzte. Der Dackel tat Marion leid. Der arme Hund erreichte vor seinem Herrn die Wohnung. Die Wohnungstür wurde schallend geschlossen und dann trat eine Ruhe in den Treppenflur, den Marion umgehend verlassen konnte.

Sie fuhr mit ihrem Tretroller los, konnte den Ort verlassen, kam an Sträuchern und Bäumen vorbei, hielt an, hielt sich am Stamm eines Baumes fest und erbrach.

Das Brechen war eigentlich überstanden, zusammen mit ihrem Morbus Menière. Nach dem Anschlag, der ja für Wolfbring`s zuerst als Erfolg gefeiert wurde, wurde das Erbrechen für Marion zu einem Problem. Darum sah sie ja auch zu, jeglichen Kontakt zu den Beiden zu verhindern. Wenn das doch wieder geschah, musste sie wieder brechen. Auch ein Zustand, der für Marion unerträglich wurde.

Natürlich meinte Emil nachahmend, die Stunde des Gewinnens bald feiern zu können. Doris kam erst später nach Hause. Beide suchten die Polizei auf, schilderten eine Geschichte, die natürlich anders erzählt wurde. Natürlich behauptete Doris, dass sie anwesend war. Wobei beiden nicht so wirklich geglaubt wurde. Was dieses furchtbare Verhalten der Beiden nicht aufhört. Ganz im Gegensatz war Marion klar, dass noch weiter Angriffe von Wolfbring`s zu rechnen war ...

Text 8. Szene: Der Schiedsrichter

Es gibt halt Dinge, die nicht vergessen werden können und sollten. Auch nicht nach Jahren, selbst nach Jahrzehnten nicht. Das kann auch sehr gut sein, wenn solches Wissen, selbst nach Jahrzehnten, wieder an das Licht geholt werden können. Was auch geschah und das, was Marion als positive Erfahrung empfand. Nicht nur sie, es waren in der Tat Menschen die das nicht mehr wussten, was diese erstaunten. Aber an solche Sachen sollte halt kein Vergessen wirken.

Es hatte sich jemand erinnert, dass vor vielen Jahren Wolfbring auf irgendeine Art und Weise in dem Fußballverein tätig war. Als Schiedsrichter wollte er demonstrieren, was er so für Möglichkeiten hatte. Es waren zwei Fußballmannschaften, die gegen einander antraten. Und Wolfbring als Schiedsrichter. Er ließ tatsächlich die Gemeindemannschaft verlieren, die andere Kindermannschaft gewinnen. Dafür ließ er sich 20 DM von einem Mitglied dieser Mannschaft bezahlen. Was natürlich die anwesenden Gemeindemitglieder auf die Palme brachte. Der Protest fand dann ohne Wolfbring statt, der hatte sich bereits mit den 20 DM in die nächste Kneipe geflüchtet, wo er allerdings mit lautem Lachen die 20 DM einfach versoffen hatte.

Selbstverständlich flog er aus dem Sportverein, er brauchte sich auch nicht mehr nahe der Sportflächen blicken lassen. Aber ihn störte es nicht. Vielleicht hatte er eh den Sinn, dort nichts mehr zu tun. Aber für den Moment eines Fußballspieles hatte er Macht. Das hatte er genossen. Die Konsequenzen interessierten ihn nicht, das ist bis heute so.

Diese Meinung hatte nicht nur Marion, diese Gedanken machten sie schon etwas ruhiger, als sie diesen Hinweis auch von anderen Personen erhielt. Ernst nahm sie das auch. Besonders Wolfbring fiel in der vergangenen Zeit sehr auf. Die tägliche Menge Alkohol fiel auf. Sein Verhalten wurde aggressiv, wenn er die Menge reduzieren muss. Dann, wenn er Taxi fahren wollte. Das brachte ihm richtige Probleme.

Er hatte wohl Streit mit Doris. Zufällig stand Marion in ihrem Schlafzimmer und konnte deutlich sehen, dass Wolfbring am Steuer des PKW saß. Er parkte ein und er schrie. Er stellte den Wagen ab, um sofort auf Doris einzuschlagen. Sie hielt den Unterarm vor ihr Gesicht, Marion konnte sehen, wie sie versuchte, ihren Sicherheitsgurt zu lösen. Sie schaffte das, riss die Seitentür auf und bewegte sich aus dem Wagen. Ihre Tür war noch weit auf, als er ausstieg, seine Tür zuschlug und sofort mit dem Schlüssel und dem Funk-Technik die Türen schloss. Er brüllte sie an, sie schlich hinter ihm her, sie war kreideweiß im Gesicht.

Dabei wäre ihm ohne seine Frau ein solches Leben nicht möglich. Sie agierte für ihn, brachte sich ein. Auch Marion musste das, so wie die weiteren Mieter, entnervend ertragen. Das Haus hatte bereits massive Beschädigungen erhalten. Im Keller hatte sich der Schimmel ausbreiten können. Der Geruch verteilte sich auch im Treppenhaus. Froh waren die Mieter, wenn sich Wolfbring`s über ein Wochenende irgendwohin absetzten. Dann war Ruhe im Haus. Dann wurde auch die Haustür über die Tage aufgerissen, mit Einsatz der weiteren Mieter kam der unangenehme Geruch nach draußen.

Natürlich wurde wieder ein Zettel von Doris als Hinweis für die weiteren Personen auf die Wohnungstür der Wolfbring`s angebracht. Marion erstellt wieder ein Foto und wollte es nur in einer entsprechenden Datei abspeichern. Dann war sie aber doch damit beschäftigt, den Text genau zu prüfen. Doris muss hochgradig aggressiv gewesen sein, als der Zettel entstand. Sie schreibt, dass die Nachbarn sich an ihren dummen Kopf fassen sollen. Bezeichnet die Männer als Waschlappen und gleichzeitig als Saubermänner. Beide seien Marion hörig.

Erschreckend schrieb sie, dass beide Männer doch froh waren, weil Marion nach dem Schlag weg war. Sie sollte auch hoffentlich nicht mehr zurückkommen. Der ganze Ort würde wissen, dass das Haus ein Saustall sei. Sollten die beiden Männer Doris dankbar sein? Diese Zettel befestigte sie an der Wohnungstür, für jeden lesbar, der den Bereich des Treppenhauses betrat.

Nach dem zweiten Tag fuhr Wolfbring mit dem PKW auf den Parkplatz vor dem Haus. Er schrie, als er ausstieg. Doris war nicht auf dem Beifahrersitz, vermutlich hatte er sie noch bei dem Taxiunternehmer abgesetzt, damit sie ihr entsprechendes Taxi abholen konnte. Das wird der Grund gewesen sein, warum Wolfbring nichts am Steuer trinken durfte. Irgendwie war schon klar, dass er bereits ein starker Alkoholiker war.

Er schrie, dass die Haustür geöffnet worden war. Es durfte aus seiner Sicht nicht gelüftet werden. Er lief laut schimpfend um sein PKW und öffnete die Seitentür. Dort standen die Bierkisten. So griff er nach Bierflaschen und lief, nach wie vor schreiend, in das Haus. Dort krachte darauf die Haustür in das Schloss. Sein Geschrei dröhnte dann durch das Treppenhaus, zusammen mit Schimpfworte auf die weiteren Bewohner des Hauses. Irgendwie hatte er Probleme, die Wohnungstür zu öffnen. Marion sah nach einiger Zeit vorsichtig aus ihrer Wohnung und konnte sehen, dass die Zettelwirtschaft an der Tür verschwunden waren. Er musste sie in seiner Wut abgerissen haben.

Es dauerte nicht lange, da wurde Wolfbring ruhiger. Dazwischen hatte Marion ein wirkliches starkes Bedürfnis, diesem furchtbaren Stress ein Ende setzen zu wollen …


Text 7. Szene: Der Schläger

Eigentlich war es einfach nur dumm gelaufen. Normalerweise hatte sich Mio im Griff, meistens.

Es waren einfach mehrere Faktoren, die bei ihm Einfluss nahmen. Hätte er sich vorher schön einen Joint geraucht, wäre das nicht passiert. Stattdessen hatte er einen Kumpel besucht, der meinte, zu seinem Geburtstag mit ihm anstoßen zu müssen. Vermutlich hätte es Bier auch getan. Es musste natürlich Fusel sein. Er hatte eigentlich irgendwie doch gute Laune, bis zu dem Moment, als ihm Wolfbring auf dem Weg nach Hause begegnete.

Und dann war da noch der Mann, der oben auf seinem Balkon stand, der ihn sah, wie er Wolfbring ein Stück zu nahe getreten war. Dabei hatte er noch versucht, mit Wolfbring in das Gebüsch zu verschwinden. Auf der einen Seite hatte er kläglich versagt, wenn das damit zu erklären wäre, weil er erwischt wurde. Erklärt, warum das passierte, teilte er nicht der Polizei und auch nicht dem Richter mit. So bekam er eine Strafe, wurde verdonnert, auch die nächsten drei Jahre brav zu sein und auch Sozialstunden abzudrücken. Wenn er noch gutes Geld verdienen würde, dann hätte er ein Problem, aber so schaut Wolfbring natürlich finanziell in die Röhre. Und das war gut so. Ob seine Verurteilung geringer ausgesehen, wenn er die Gründe vorgetragen hätte, bezweifelte Mio. Dafür hatte er auch seine Gründe, das nicht zu tun.

Es lag nicht an dem Verhalten von Wolfbring gegen ihn. Dabei war das vom ersten Tag an da, als er in das Haus gezogen war. Dass Wolfbring schon Mio`s Rad voller Wucht gegen die Wand des Hauses geschmissen hatte, war eines der Höhepunkte. Oder war es das Mofa eines Kumpels, der das Teil eigentlich nur kurzfristig in den Innenhof gestellt hatte, weil er es verkaufen wollte. Marion hatte zeitnah eine Kamera geprüft und die hatte aufgenommen, wie Wolfbring den direkten Weg zu dem Mofa genommen hatte und zielsicher an der Seite aktiv wurde. Der Kumpel hatte kurz darauf versucht, das Mofa zu starten, ein Käufer wollte auch vorbeikommen. Das Mofa sprang nicht an. Dafür sendete Marion ein passendes Video zu Mio`s Handy, das kurz vorher die Beschädigung durch Wolfbring zeigte.

Das war ein Geschrei, passte den Wolfbring auch nicht, dass er dabei gefilmt worden war. Dafür hatte Doris die Polizei gerufen und Wolfbring`s erzählten dann, dass ihr Leben in Gefahr wäre. Die Nummer hatten Wolfbring`s voll drauf und das musste Mio zugeben, dass sie tatsächlich darin besser waren und sind als er. Wobei er aber keinen Ehrgeiz in dieser Richtung entwickeln wollte.

In der Art ging es weiter und damit war es klar, dass sich Wolfbring`s und Mio nicht ausstehen konnten. Bis zu dem Moment, als Mio seinen Sohn an manchen Wochenenden zu Besuch haben durfte. Die Partnerschaft zu der Frau war bereits vor Zeiten gescheitert. Wobei beide, also Mio und seine Ex, wieder miteinander reden konnten. Sie hatte auch einen neuen Partner, mit dem sie mit dem Sohn und ihm eine Beziehung lebte. Mio liebt seinen Sohn über alles. Und irgendwie schien es Wolfbring genauso zu gehen. Gesehen hatte er den Knaben im Treppenhaus. Der Junge ging die Treppe hoch zu der Wohnung. Gefolgt war er von seinem Vater Mio.

Manchmal passiert es. Man sieht sich freundlich an, lächelt und dann passiert es. Alles in diesem Moment der Begegnung geschieht, als sei der Mensch in seiner Vollkommenheit erschienen und auch es erscheint, als sei er oder sie wie von Göttern geschaffen worden. Dann kann es sogar passieren, dass man sich der Faszination dieses Menschen nicht entziehen kann. Wenn das tatsächlich beiden geschieht, könnte das ein Gefühl für die Ewigkeit sein. Oder auch ein Verliebt sein oder auch die große Liebe. Was ja auch kein Problem wäre. In dem Fall sollte eigentlich selbst der Hauch von einem zarten Gefühl von Wolfbring zu dem Knaben zu viel gewesen sein. Aber Wolfbring schien sich unsterblich verliebt zu haben. So wie bei dem Knaben aus der Nachbarschaft.

Natürlich hatte es Mio sofort mitbekommen. Er war auf der Hut. Die Besuche seines Sohnes bestanden in seiner Wohnung. Kommen und gehen wurden von Mio kontrolliert. Den Sohn ließ er keinen Moment alleine.

Wolfbring schleimte sich förmlich an Mio heran. Es war schon interessant. Er meinte wohl, dass der Junge ihm völlig besitzen wird, sofern er den Vater auf seine Seite gezogen hatte. Was ihm natürlich nicht gelingen konnte. Ein wenig wie Katz und Maus im Treppenhaus.

Da geschah es dann. Der Sohn sollte wieder das Wochenende bei seinem Vater verbringen. Der Junge lief die Treppe hoch zu der Wohnung seines Vaters, der ihm folgte. Mio meinte später, dass er keinen Ton von Wolfbring gehört hatte. Auf dem halben Weg blieb der Junge auf dem Podest der Treppe stehen. Sein Blick war nach unten gerichtet, seine Stirn zog sich höher, die Augen erschienen immer größer zu werden, so wie sich auch sein Mund öffnete. Mio brauchte einen Moment, um darauf zu reagieren. Während des Treppensteigen suchte er in seinem Handy die Nummer der Ex. Eigentlich wollte er ihr mitteilen, dass sie gut angekommen waren. Sein Blick folgte dem seines Sohnes.

Unten auf dem Flurboden vor der ersten Stufe stand Wolfbring. Mit seinem Mund bewegten sich seine sichtbare Zunge und seine Lippe, sein Blick war lustvoll auf den Jungen gerichtet. Dabei befand sich eine seiner Hände an seinem Geschlechtsteil, das aber noch in der geschlossenen Hose befand. Sofort bewegte sich Mio die Treppe wieder runter, seinem Sohn rief er nur zu, dass er sich sofort Richtung der Wohnung zu begeben soll. Er war schnell, Wolfbring nicht so schnell wie Mio. So erwischte Mio ihn. Packte ihn am Hemd nahe des Halses, drohte ihm Prügel an, schubste ihn Richtung seiner Wohnungstür und beförderte ihn mit einem Tritt in den Hintern in seine Wohnung, die Wolfbring auch umgehend aufsuchte.

Später erzählte Mio Marion, dass er das seiner Ex nicht berichten wollte, auch seinem Sohn erklärte er, dass Wolfbring nur einen Clown machen wollte. Er bat seinen Sohn, dass er seiner Mutter davon nichts erzählen sollte, sie würde das sicher falsch verstehen. Für seine Reaktion und dafür, weil er ihm eine große Liebe verdorben hatte, wurde Mio, dann auch von Wolfbring`s Frau, tyrannisiert und terrorisiert.

Mio`s Vertrauenslage war zur Richtung der Polizei nicht besonders nahe. Marion erklärte er auch, dass seine Ex weitere Besuche seines Sohnes untersagen würden. Sie würde das nicht zulassen, einen Pädophilen in der Nähe ihres Sohnes zu dulden.

Er war schon Nummer zwei, was er erfahren hatte, die Wolfbring eine Tracht Prügel verpasst hatten. Bei ihm war eine obszöne Bemerkung von Wolfbring angekommen. Er hatte nicht mit den Prügeln gerechnet, auch nicht, als es ebenfalls vor einiger Zeit geschah.

Es war ein Junge, der erwachsen wurde und in einem besonderen Moment von Übergriffen von Wolfbring seinem Vater berichtete. Taten, die über längere Zeit getan worden sind, wieder mit dem Tuch des Schweigens bedeckt worden sind und auch den Geheimnissen, die er sich vorher schwören lies. Die Aussage seines Sohnes drohte dem Vater das Herz zu brechen. Beide packten Wolfbring und verprügelten ihn. Drohten ihm, ihn bei der Polizei zu melden, ihn damit in den Knast zu bringen. Und trotzdem versuchte er es bei dem Kind der Nachbarn, auch bei dem Sohn von Mio.

Dann kam der Tag, als sein Kumpel Geburtstag hatte. Mio war noch im Bad, hatte geduscht, trocknete sich ab und sah dabei aus dem Fenster. Es war Freitag, es ging auf das Wochenende zu und scheinbar ist es dann nötig, dass Wolfbring aus dem Taxi Dinge räumt. Mio hatte schon gesehen, dass er Sitzerhöhungen, die ohne Rückenteil, vom Taxi zum Haus trug. Immer drei Stück gestapelt und er ging zwei Mal.

Diesmal blieb Mio weiter dort stehen, betrachtete Wolfbring`s Gesicht, seinen Ausdruck dabei. Er roch an den Sitzen, er ließ sich Zeit, sie in das Haus zu tragen. Der Ausdruck seines Gesichtes war anders als sonst. Er wirkte verträumt, glücklich, der Duft, der auf den Sitzen nicht schwebte, sondern verbunden war mit den Sitzen. Für kurze Momente erfüllten die Sitze ihn mit Liebe zu diesem Duft der Kinder, die sie nutzen, die er selbst von A nach B brachte und dann ihren Duft zurückließen, ihn ihm überließen.

Neben der Wut kam Mio das Gefühl von Ekel hoch. Irgendwie verbannte aber Mio den Eindruck, den er für kurze Momente hatte. Und eigentlich wollte er das auch bei dem Geburtstag nicht bedenken. Aber als er bei dem Rückweg auf Wolfbring traf, der ihm mit seinem kranken Lachen begrüßte, ihn mit seinem labernden Gerede anmachte, der selbst wieder betrunken war und wieder mit dem Dackel auf dem Weg zu den Plätzen ging, wo sich Kinder zum Spielen aufhalten könnten, ließ Mio richtig böse werden ...


Text 6. Szene: Der Terror danach

Marion hatte den Anschlag überlebt. Sie hatte damals auch darauf bestanden, ihre Wohnung aufzusuchen um auch weiter dort zu wohnen, obwohl es dort keine Sicherheit mehr für Marion gab. In diesem Ort, der viele gute und schöne Dinge bietet, aber auch das Schlimmste vorzuweisen hatte und hat, eben Doris und Emil Wolfbring.

Damals hatte sie Glück, Wolfbring`s hatten eine Art Urlaub zur Ostsee angetreten. So hatte Marion noch ein paar Tage Zeit, auch um C inständig um Hilfe zu bitten. Entnervt gab C der Bitte nach, aber eh ging sie davon aus, dass Marion ihre Situation völlig falsch eingeschätzten würde.

Es war an einem Sonntag, als sie zurückgekommen waren. Gut gelaunt öffnete Doris die Wohnungstür. C hatte bei ihnen geklingelt. Nach dem Tagesgruß teilte C ihr mit, dass Marion wieder in ihrer Wohnung sei, dann wollte sie darauf hinweisen, dass auf keinen Fall Wolfbring`s Kontakt zu ihr aufnehmen sollten. Wobei sich C später sicher war, dass sie den Satz nicht zu Ende bringen konnte.

Doris schrie, schrie in die Richtung Marion, versuchte, sich auf sie zu stürzen, wurde von C davon abgehalten und Doris schrie weiter. Mittlerweile war Wolfbring aus der Wohnung gekommen, stand neben seiner schreienden Frau und, blass entstanden, blickte er hasserfüllt zu Marion. Sie flüchtete in die Wohnung, C folgte ihr umgehend. Die Tür wurde umgehend geschlossen und abgeschlossen. Doris schrie noch immer, sie trat gegen die Wohnungstür, sie schlug mit den Fäusten hinter der die Geflüchteten standen. Marion rief, dass sie die Polizei rufen will. Das schien Doris nicht zu stören.

C war der Meinung, dass die Tür stabil sei und sicher nicht einzutreten sei. So schlug sie das Wohnzimmer vor, um dort auch auf den Sesseln Platz zu suchen. Die Knie beiden wurden irgendwie schwach. Beide schwiegen.

Irgendwann hörte das Geschrei von Dorin auf. So stand C auf und ging zur Wohnungstür. Sie würde am nächsten Tag die Polizei aufsuchen um dort die ganze Angelegenheit zu melden. Durch dieses Verhalten Wolfbring`s war auch C klar, dass Marion auf sich achten muss, auch, dass den beiden weiteren Mietern dieses Geschehen mitgeteilt werden muss. Als C das Treppenhaus betrat, sah sie Wolfbring`s nahe ihrer Tür standen. Offensichtlich auf C warteten und sie umgehend auf böse Art und Weise angingen. Sie drohten gerichtliche Konsequenzen für C …

… Es war bereits am Tag danach. Marion stand in ihrem Flur. Es klopfte an der Wohnungstür. Sie hörte den Dackel der Wolfbring`s bellen. Das tat der Hund auch dann, wenn er von den beiden in der Wohnung gelassen wurde, wenn sie selbst die Wohnung verließen. Wieder spürte sie das merkwürdige Verhalten ihres Magens. Sehr laut rief sie gegen die Tür, fragte, wer dort sei. Es kam keine Antwort. Wieder ein klopfen, wieder Marions Frage und dabei der Dackel, der kläffte. Dann, für einen Moment, noch lauter sein bellen, so zu hören und dann sein schweigen. Marion drückte ihr Ohr an ihre Tür, sie hörte, wie die Tür gegenüber verschlossen wurde. Marion schaffte es zu ihrem Bad und brach in einen Eimer, den sie für diese Momente für sich bereitgehalten hatte, weil sie ihn bereits in der Vergangenheit brauchte.

Sie versuchten es nochmals in den nächsten Tagen, aber es schien ihnen nur einmal erfolgreich gelungen zu sein. Wolfbring schien neue Vorgehensweise entwickeln zu wollen. So geschah es auch, dass Marion noch im Treppenhaus, direkt vor der Haustür stand. Neben ihr befand sich die Kellertür. Sie öffnete die Haustür und in dem Moment merkte sie Wolfbring, der die Kellertür aufstieß und versuchte, Marion vor ihrer Flucht zu erwischen. Was ihm nicht gelungen war, was ihn aber veranlasste, sich breit in die Haustür zu stellen und laut hinter Marion her zu brüllte, dass er sie noch kriegen würde.

Er hatte ein Problem, denn Marion war nicht zuverlässig mit ihrem Verlassen des Hauses. Das ärgerte Wolfbring schon. Er nahm sich die Haustür vor. So schloss er zu unmöglichen Zeiten die Haustür ab. Was nicht unbedingt erlaubt war. Wenn es zum Beispiel im Haus brennen würde, das Treppenhaus benutzt werden musste und die Panik dafür sorgte, wenn der Haustürschlüssel vergessen worden wäre. Zurück zu dem Brand wäre nicht möglich. Nur die Flucht aus der Haustür und die sollte abgeschlossen sein?

Oder im ersten Stock wird eine Hilfe von Rettungswagen benötigt. Es wird der Knopf zur Öffnung der Haustür gedrückt. Und es funktioniert nicht, weil die Tür abgeschlossen wurde. Eine Rettung kann nicht zu einem der sie braucht, nur, weil jemand die Haustür abgeschlossen hatte. Marion überlegte und dachte wieder an diese Geste, die Wolfbring ihr vom Steuer des Taxis zeigte und sie fragte sich, wer denn der Idiot sei, die Person, die verhindert, dass die Haustür abgeschlossen wird, oder die Person, die abschließt und damit Menschen Schaden zufügen kann.

Damals wurde versucht, die Sache mit dem Klopfen der Wohnungstür noch einmal einen Anschlag durchzuführen. Das gelang nicht. Dann die Haustür in allen Variationen. Wieder wollte es nicht klappen. Wobei Marion irgendwann nahe zum Wochenende zu der Haustür lief, die Klinke in die Hand nahm, um die Tür aufzuziehen. Was ihr nicht gelang, sie hatte die Klinke in der Hand und die Tür blieb zu. Er hatte es versucht, musste dann aber mit dem Taxi losfahren. Marion hatte gesehen, dass er das Haus verlassen hatte, darum nutzte sie ein Verlassen. Irgendwie gelang es ihr, die Klinke in die Haustür zu bekommen. Mit Vorsicht ließ sich die Tür dann öffnen. Die Schrauben lagen nahe auf den Briefkästen.

Es gab eine Zeit, besonders im Frühjahr beginnend, im Herbst Ende nehmend, in denen Wolfbring`s zum Wochenende alle zwei Wochen, mit einem Zelt im Kofferraum des Wagens, zu einem Campingplatz an die Ostsee fuhren. Diese Zeit wurde für die weiteren Bewohner des Hauses förmlich genossen. In dieser freien Zeit wurden dann auch von ihnen Reparaturmaßnahmen durchgeführt. Dann auch für die Haustür. Es gelang ihnen dafür zu sorgen, dass kein Schloss zum Abschließen genommen werden konnte. Das Schloss wurde so befestigt, dass es unmöglich wurde, die Schrauben noch einmal los zu schrauben und die Klinke saß fest. Die Haustür wurde sicher und das wurde mit Ausdruck lautem Protest von Wolfbring`s festgestellt ...



Text 5. Szene: Der Anschlag

… Natürlich war Marion der Auffassung, dass sie auf gradlinige Art und Weise reagieren müsste. Auch die Darstellung von Gewalt lag Marion fern, die für Wolfbring`s eine Selbstverständlichkeit war. Natürlich protestierten Wolfbring`s gegen die Kameras, die im Innenhof installiert worden waren. Zum einen dokumentierten sie Sachbeschädigungen, die tatsächlich auch von Wolfbring`s durchgeführt worden waren. Zum anderen hielten die Kameras Wolfbring davon ab, die Nachbarn im Garten zu betrachten. Letztendlich halfen die Kameras, die dort untergebrachten Räder der weitern Mieter vor ihm zu schützen.

Die könnte dann sowohl die Kellerräume, als auch das Treppenhaus vor den Eheleuten schützen. Die eh in diesen Bereichen nichts zu suchen hatten. Was sehr oft versucht worden war, dass ihnen auch klar zu machen. Darum könnten Kameras, dann auch genau installiert, genug Beweise bieten können. Wurde gedacht und auch ausgeführt. Dachten die Mieter und alle drei hatten dann auch in der Sache gegen Wolfbring`s kläglich versagt.
Doris und Emil Wolfbring schafften es tatsächlich, gegen die Vorgabe vorzugehen und das tatsächlich auch durchzusetzen. Die Kameras mussten wieder entfernt werden. Laut lachte Wolfbring und freute sich mehrere Tage daran. Marion entschloss sich eine andere Wohnung zu suchen. Das Leben in dem Haus hatte wirklich keinen Sinn mehr und sie brauchte auch Ruhe, Frieden und darum friedliche Nachbarn. Die weiteren Mieter waren ihrer Meinung. Aber wegen solchen schlimmen Nachbarn umziehen zu müssen, denen nachfolgenden neuen Mietern das Desaster genauso geschehen wird, dürfte auch nicht logisch erscheinen. Marion war es egal, sie wollte sich Wolfbring`s nicht mehr antun müssen.

Diese Kameras hätten es aufnehmen können, was kurz darauf geschah. Oder hätten es verhindert, was geschah. Es war in der Woche und gegen Mittag, als es an ihrer Wohnungstür klopfte. Marion ging dorthin, schloss die Tür auf und öffnete sie …

… Mit ihrem Rücken sperrte Marion die Wohnungstür ab. Sie saß dabei auf dem Boden. Die Beine waren gestreckt und drückte gegenüber gegen die Wand. Marion spürte die Schläge und Tritte gegen die Tür. Ihre rechte Hand führte sie über ihren Kopf, er erreichte das Schloss, dann den Schlüssel, der noch steckte. Sie schaffte es, die Wohnungstür wieder abzuschließen. Dabei führte sie auch ihre linke Hand von ihrem linken Ohr weg, sah dann auch die Innenhand an. Dort waren Blutflecken zu sehen. Es war keine große Menge, die aus ihrem Ohr floss.

Hören konnte sie Doris. Sie schrie und sie wird es auch gewesen sein, die gegen die Tür geschlagen und getreten hatte. Verstanden hatte Marion sie nicht. Sie hörte Wolfbring, wie er wieder laut lachte und der auch irgendetwas schrie, was auch Marion nicht verstanden hatte. Ihre Nachbarn von oben waren nicht zu Hause, so dachte sie noch. Der Tinnitus wurde laut und übertönte den Lärm aus dem Flur. Sie wusste später noch, dass sie es in das Bad geschafft hatte, dass sie sich einen Eimer nahm. Dort hineinbrechen musste. Es dann auch in das Bett schaffte, dort weiter in den Eimer brach. Später, viel später fand sie auf der Bettdecke Blutflecken. Sie sahen aus wie Tropfen, die ebenfalls leicht, wohl aus dem Ohr, dorthin getropft waren. Die Tropfen hatten ihre Farbe nicht verloren, waren nicht braun oder schwach anzusehen.

C fand Marion erst am nächsten Tag, es müssen gut 24 Stunden vergangen sein. Es war auch Zufall, dass sie gefunden wurde. Was geschehen war, konnte Marion nicht mehr erklären. So gab man Marion die Möglichkeit zu sterben, oder es zu überleben. Wobei es kurze wache Momente für sie gab. Es war ihr klar, dass das Ohr getroffen worden war. Es war ein unsagbar lauter Tinnitus, den sie dann auch ertragen musste. Auch ein Ohr, dass sich als einziger Bereich des Körpers krank erschien, das sogar schmerzte. Nur das eine Ohr, nicht das andere. Aber eh nur kurze Momente, in denen Marion aber das Gefühl hatte, es überleben zu werden.

Doris Wolfbring hatte eine eigene Meinung dazu. Sie war sich sicher, dass Marion nicht mehr zurückkommen würde. Dass sie entweder stirbt, oder, wenn sie überlebt, in einem Heim landet. Die Wohnung wird auf jeden Fall frei werden. Da war sie sich sicher und schockte damit die Nachbarn. Natürlich erzählte sie auch, dass Marion sich aufgrund eines erlittenen Schlaganfalls vorübergehend in Krankenhausbehandlung begeben hatte. Aufgrund dieses Umstandes konnte Marion nicht mehr Doris und ihren Mann persönlich angreifen.

Die Kamera im Innenhof zeigte danach noch ein paar Tage auf. Doris war fleißig dabei, den Boden vor dem Zaun zum Nachbarn frei von Pflanzen zu machen. Das zeigten die Videos, auch, dass sich darüber ihr Emil sehr freute. Auch, dass auch der Schuppen wieder frei für ihn werden würde, für ihn, mit ihm und Kinder und dann, mit denen, für Geheimnisse. Sie und er wussten schließlich, was geschehen war ...


Text 4. Szene: Betrug

… Es trat einfach keine Ruhe ein. Marion war regelrecht dem Terror und dem Stalking sowohl von Emil Wolfbring als auch seiner Frau Doris ausgesetzt. Pflanzen und Blumen wurden gegiftet oder auch beschädigt, ebenso auch Gegenstände.

Marion musste auf der Hut sein, aber nicht nur sie alleine musste aufpassen. Es gab bereits körperliche Angriffe von Wolfbring auch schon gegen Michael und auch gegen den Nachbar Mio. Wobei beide sich wehren konnten und auch Wolfbring wegen seines ständigen Trinkens auslachten.

Marion zog es vor, sowohl Emil Wolfbring als auch Doris aus dem Weg zu gehen. Sie wollte keinen Kontakt und achtete darauf. So prüfte sie auch durch Blicke auf den Parkplatz, der direkt unter ihrem Schlafzimmerfenster lag, ob sie ohne Probleme aus und von dem Haus kommen konnte.
Es war am Anfang einer Woche. So konnte Marion auch Wolfbring wieder hören, wie er, wie jedes Mal auch, mit Gegröle vor ihrem Schlafzimmerfenster auf sich aufmerksam machte. Das war tatsächlich auch seine Art, um auf sich hin zu weisen. Auch damit deutlich zu machen, dass ihm gestattet sei, über Alkohol zu verfügen und zu machen, was er will. So versuchte er auf eine Art zu tänzeln, als er mit zwei leeren Kisten Bier an Marions Schlafzimmerfenster vorbeikam. Um dann diese leere Kisten Bier in seinen PKW zu verpacken um dann, kurze Zeit später, zurückzukommen. Wobei er dann nur einen vollen Kasten Bier beschwerlich aus dem Wagen hievte. Um die Kiste dann mit Gestöhne in den Keller schleppte. Den zweiten Kasten Bier danach und natürlich ebenso. Das zog er zwei Mal in der Woche durch. Vier Kasten Bier in der Woche, mindestens.

An dem Tag begab Marion sich zum Sport. Als sie zurück kam fiel ihr auf, dass der Wagen von den Wolfbring`s sehr nahe zur Straße gestellt war. Damit war nicht zu rechnen, aus ihrer Seite, mit der sie zurückkam.

Natürlich passierte nichts, aber Marion konnte sehen, dass sie in diesem Moment eine Beschädigung am PKW ausmachte. Die befand sich am Kotflügel des Wagens. Natürlich hatte Marion den Gedanken, dass sich das am Vormittag bereits ereignet, dass Wolfbring wohl eine Mauer oder ähnliches mit dem Wagen gerammt hatte. So sah die Beschädigung auch aus.

Es kam der Donnerstag. Michael machte sich gegen Mittag mit seinem Auto Richtung Flughafen auf den Weg, um seinen Urlaub in Griechenland anzutreten. Marion hatte es an diesem Tag vorgezogen, mit einer lieben Bekannten C Einkäufe zu unternehmen. C holte sie mit ihrem Wagen ab. Dazu hatte sie kurz den Parkplatz von Michael benutzt, auch als sie zurückkamen.

Durch Zufall konnte Marion am folgenden Freitag durch ihr Schlafzimmerfenster Doris auf den Parkplatz betrachten. Sie war bestimmt mehr als 10 Minuten lang damit beschäftigt, die Stelle des Kotflügel am PKW zu reinigen. Sie hatte Eimer, Lappen und sogar eine Sprühflasche zur Hand, schrabbte und kratzte, um dann mit ihrem Handy Fotos von der Beschädigung zu machen. Wobei Doris natürlich damit alle eventuellen Spuren am Wagen beseitigt hatte.

Am Sonntag hatte Marion in dem Postfach ihres PC eine Alert. Die Polizei hatte eine Frage und bat Bürger um Unterstützung. Es wäre am Donnerstag zu der Zeit und dem Ort an dem PKW mit Kennzeichen eine Beschädigung durchgeführt worden. Ein Schaden von 1.600 Euro seien entstanden. Es war nicht nur Marion klar, dass Betrug eine große Rolle im Leben der Wolfbring`s spielt. Dass für Aktionen auch die Polizei von ihnen genutzt worden werden, dürfte klargeworden sein. Natürlich wurde auch Michael erwähnt, denn es hätte den Beiden sicher nebenher gefallen, wenn der seinen Urlaub von der Polizei abgebrochen worden wäre. Was natürlich nicht geschah.

Es fiel auf, dass ein Beamter sehr ausführlich das Fahrzeug von C betrachtete und auch fotografierte. Es war in der Tat kein cm an dem Fahrzeug zu finden, der für irgendeine angebliche Beschädigung gefunden werden konnte. Es wurde natürlich nicht mitgeteilt, wie diese Angelegenheit für Wolfbring`s ausgegangen war.

C erstellte eine Rechnung, denn C musste natürlich über eine bestimmte Zeit ihre Arbeit unterbrechen, damit der Wagen geprüft werden konnte. Wobei natürlich auch moralisch ein Hinweis kam, denn so etwas sollte sich besser nicht wiederholen, denn dann kommt eine Anzeige heraus. C warf die Rechnung in den Briefkasten. Zwei Tage später war das Geld auf dem Konto. Das konnte scheinbar funktionieren.

Michael kam aus dem Urlaub und tatsächlich wurde sein PKW von Polizeibeamten kurz überprüft. Laut im Treppenhaus kam sein Hinweis, dass er sicher seinen Chef gebeten hätte, in der Sache auch eine Rechnung zu schreiben, aber die Polizei wäre zu seinem Feierabend erschienen.

Marion hatte für einen kurzen Moment das Gefühl, dass bei Wolfbring`s endlich Vernunft einsetzen müsste. Das kam aber nicht. Stattdessen wurde wieder versucht, anderen das Geld aus den Taschen zu ziehen. Ausgerechnet auch noch bei Nachbarn. Dabei wurde aber nicht die Polizei hereingezogen. Wieder wurde versucht, einen Kratzer am Auto anderen Menschen zu unterstellen. Wobei das lautstark ausgelegt worden wurde. Es passierte direkt vor dem Haus, so dass auch Marion das mitbekam.

Das es wieder versucht wird, das dürfte klar sein. Das sie auch von der Polizei eine Ansage erhalten hatten, davon ging Marion aus. Aber wenn das so durchgezogen worden ist und es klar war, dass es kein Umdenken bei Wolfbring`s erfolgte, was ist dann mit den Kindern geschehen? Marion ging davon aus, dass da bei Wolfbring`s auch keine Veränderung zu sehen sein wird.

Und da es mit den Autos wieder passierte, sollte dringend auf Kinder aufgepasst werden. Das war nicht nur Marion klar. Es sollte aber noch viel schlimmer kommen …


Text 3. Szene: Die Frau des Kinderschänders und die Gewalt

Natürlich dachte Marion, dass sie in diesem Moment, eine richtige Entscheidung getroffen hatte. Es wurde das getan, was auch zu tun war und jetzt auch noch ist, wenn solche Dinge geschehen.

Selbstverständlich nahmen die Experten Kontakt zu den Eltern des Knaben auf. Behutsam dürfte auch er in der Angelegenheit befragt worden sein. Der hatte sicher auch von den »Geheimnissen« berichtet. Wobei mit Sicherheit Emil Wolfbring dazu bei dem Knaben noch keine Möglichkeiten gehabt hatte. Bei ihm nicht, aber dafür bereits bei anderen Kindern. So, wie zu diesem Zeitpunkt Marion kein Opfer war, sie aber dafür für Wolfbring in anderer Art und Weise zum Opfer werden sollte und was auch dann, irgendwann auch, geschah.

Damals, als für sie sichtbar eine Tat geschah, musste das doch alles die Frau des Kinderschänders Doris Wolfbring mitbekommen haben. Es schien, als sei es Doris sogar vertraut. Natürlich ging Marion ihr aus dem Weg. Natürlich begegnete ihr trotzdem Doris, das war schwer zu verhindern, sie wohnten und wohnen vis à vis, auf der anderen Seite, quasi gegenüber und dabei eigentlich viel zu nahe, so fühlte Marion, sogar viel zu lange schon. Und dabei wirkte diese Doris, als wäre nichts geschehen.

Damals, so erinnerte sich Marion, kam für einen Moment der Gedanke, dass Emil Wolfbring Doris den Einsatz und Befragung der Polizei geheim halten konnte. Das ging irgendwie damals nicht so wirklich und auch nicht heute. Schreiben und auch lesen waren überhaupt nicht sein Ding. Um zu schreiben und lesen von Schreiben hatte sich Doris mit Mühe für beide gekümmert.

Es war bevor der Anschlag auf Marion stattfand. Sie erinnerte sich daran, dass der Nachbar Michael sie angerufen hatte. Er bewohnte, und auch das nach wie vor, die Wohnung über der von Marion. Ein ruhiger Typ, der seine Arbeit, und die auch noch anstrengend und eine harte Tätigkeit war und ist, dabei gradlinig durchführte, auch das nach wie vor. Es war auch nicht seine Art, Marion anzurufen, um sie mit irgendetwas vollzureden. Darum konnte sich Marion auch ganz genau an ein Telefonat erinnern, eines das Michael mit ihr geführt hatte.

Geschehen war etwas, auch, was sich im Sommer ereignet hatte. Ausgerechnet natürlich, an dem die Hitze ohne Gnade auf alle wirkte. Michael musste seine Arbeit fast in der Nacht beginnen, musste dann bereits zu Mittag seinen Feierabend machen. Es war wirklich ein Zufall, dass er im Treppenhaus Doris begegnete. Sie hatte sich wohl dabei aus dem Keller befunden und wollte zurück in die Wohnung. Sie hatte ihn nicht kommen hören, sie sah nicht, dass er sich bereits auf der Treppe zum 1. Stock befand. Er erzählte Marion später, dass Doris ihn wohl auch nicht sehen wollte, sie blickte auch so merkwürdig zu Boden, als würde es ihr peinlich sein, vielleicht doch gesehen zu werden.

Bekleidet war sie nur mit der Unterwäsche, Schlüpfer und Unterhemd. Sehen konnte Michael sie von vorne und auch die Rückenseite von ihr. Er sah halt nur das, was üblicherweise durch Kleidung bedeckt war. Unter normalen Situationen hätte er sicher auf einen Hinblick bei Doris verzichtet. Sie war oder ist auch nie eine Frau die seinem Interesse entsprach. Der Anblick an diesem Tag prägte sich bei ihm aber ein. Irgendwie fühlte er sich förmlich schockiert. So ruf er dann Marion an, um das Ereignis mit ihr zu besprechen.

In diesem Moment habe Michael die Haut von Doris Wolfbring in Grün und Blau gesehen. So bezeichnete er das.

Marion erzählte Michael, dass sie Emil Wolfbring schon gegenüber gestanden, wohl etwas auch in Abstand, was ihr auch sehr recht war. Sie sprach von der Art, mit der ihr schon Wolfbring bereits begegnet sei. Dann war auch sein Gesicht von Alkohol gerötet, schwitzend, die Stimme von ihm laut und schrill und seine wütenden Worte kaum zu verstehen. Dabei hielt er seinen Arm angewinkelt vor seinem Körper, hatte die Hand zur Faust gebildet. Seinen Daumen hatte er mit drei Fingern geschlossen. Dabei war seine Hand so feingliedrig und wie komplex aufgebaut. So bestanden sie aus Kraft, die auf andere Körper durchaus kraftvoll erscheinen können. Damit wollte er drohen, auch damit klarmachte, dass er die Gewalt seiner Faust auch gegen sie wenden wollte.

So bat Marion Michael, auch seine Hand so zu probieren. So konnte Michael die Form an seinen mittleren Fingern feststellen, dass solche Formen den Körper von Doris umgab. Frisch gesetzt in klarem Blau, vor Tagen geführt in blassem Grün, schwach zu erkennen als gewesenes, was dem Neuen setzen Platz geben konnte. In der Gesamtheit für Michael eine furchtbare Sichtung einer Gewalt von dem, was auch als häusliche Gewalt zu erkennen war.

Später schildete der Nachbar Mio, der direkt über den Beiden wohnte, dass er hören konnte, wenn die Beiden stritten. Erst war es laut, dann war es plötzlich still. Manchmal wohl auch zu fest, dann konnte später gesehen werden, wie Doris sich mit Schmerzen am Körper vorwärts bewegte.

Marion fragte sich, später, dass sie auch getroffen wurde, aber wohl nur einmal. Das war schon wesentlich auf die Art, dabei aber wesentlich härter im Schlag, auch an anderem Ort, eben nicht auf den Körper wie bei Doris. Es war ein gezielter Schlag. Eine einfache Ohrfeige mit einer geöffneten Hand, kann bei dem richtigen Treffen auch einen Gehörverlust bewirken. Bei ihr war es aber mehr als das. Nicht, wenn die Gewalt auf diese Art und Weise ausgeführt wäre, nicht ein Körper, sondern nur auf ein Ohr.

Was es gibt und gab es eine Technik, um Gegner im Nahkampf unschädlich zu machen. Es gab Krieger, die es schafften, mit einer Ohrfeige ein Pferd stürzen zu lassen und damit den Feind gleich mit, was der mit seinem Leben bezahlen musste. Das konnte passieren, wenn man sich mit Kriegern der osmanischen Armee angelegt hatte. Darum auch so diese Form der Ohrfeige. Wobei Doris schon mit seiner Erscheinung weit entfernt von einem Krieger war. Aber schon der Brutalität, die Wolfbring sich bestimmt über vielen Jahre zugelegt hatte, gehörte zu ihm und so kannte Doris ihn. Oder auch das Stockholmer Syndrom, wenn das Opfer positive Gefühle entwickelt, diese Ehefrau zu ihrem Ehemann, selbst dem Hund kann das passieren.

Für Marion sollte das nicht geschehen oder gelten ...


Text 2. Szene: Der Kinderschänder

Marion Sundes hatte es eilig. Aus welchen Gründen auch immer raste sie mit dem Tretroller zurück zu dem Haus in dem sie wohnte. Selbstverständlich hatte das Gerät keinen Motor und so rollte sie besonders sportlich von A nach B. Wobei sie durch die Bank von jeder Person auf einem Rad überholt worden wurde.

Aber irgendwie war sie doch sehr schnell. Schnell in die Einfahrt des Hauses zu fahren und ebenso schnell an dem Fahrzeug vorbei, das auf dem Vorbereich abgestellt war. Kaum für sie von der Straße aus zu sehen. Erst aber in dem Moment, als sie den Wagen, sozusagen rasend, überholte, sah sie was Emil Wolfbring tat. Er hatte sie nicht gesehen. Er war beschäftigt mit dem Knaben. Der Junge der neuen Nachbarn. Der sah sie vor ihm. Und grinste irgendwie.

Emil hatte den Jungen mit einem Arm fest an sich gezogen. Die andere Hand streichelte den Kopf des Knaben. Sie konnte Wolfbring`s Hüfte sehen, die sich rhythmisch am Körper des Kindes bewegte. Doch, er sprach in dem Moment zu dem Kind und sie konnte es hören. Er sprach, dass sie Geheimnisse haben und der Junge das niemanden davon erzählen darf. Und der Knabe grinste sie dabei an.

Sie bremste den Tretroller intensiv. Dabei quietschte der Reifen über den Boden. So stand sie fast neben den beiden. Wolfbring ließ ihn los, er drehte sich förmlich weg von dem Knaben und gab eine Art lachen von sich ab. Der Junge drehte sich ab und huschte flott Richtung zu dem Nachbarhaus. Genauso schnell verschwand Wolfbring fast schon rennend zu dem Wohnhaus.

Und Marion stand wie festgefroren an der Stelle, wusste auch nicht mehr, warum sie es vorher so eilig hatte. Ein Gefühl machte sich in ihr breit, als wollte sich der Magen umdrehen. Es fühlte sich an, als wenn sie erbrechen wollte. Sie schwieg. Sie schob den Roller in den Innenhof des Hauses, begab sich zu der Wohnung, begegnete ihm nicht, was sie für sich ganz gut fand. Dass sie diese Situation nicht für sich behalten konnte, nur mit wem sie darüber sprechen könnte, war ihr noch nicht klar.

Wäre sie in ihrem Leben nie einem solchen Menschen begegnet, würde sie vermutlich einer solchen Situation keine Besonderheit unterstellen. Wobei sie die Auffassung hatte, dass es von dieser Art der Menschen zu viele gab, es gibt und auch in Zukunft zu viele geben wird. Mit denen sie selbst schon Erfahrungen gesammelt hatte. Natürlich gibt es vorschriftliche vorgangsfähige Anweisungen, die man befolgen muss, einhalten und entsprechend korrekt vorgehen. Wie es sich gehört …

Sollte Marion hier tatsächlich wieder handeln? Betrachtete sie ihn quasi aus der Ferne, dabei aber verhindern, sich intensive Gedanken über ihn zu machen, sollte Sinn geben. Er war nicht schlau, ganz im Gegensatz. Sie hatte schon festgestellt, dass er nicht richtig lesen und schreiben konnte. Aber er war gerissen, das hatte er bereits zur Darstellung gestellt. Es wäre einfacher gewesen, wenn sie mit diesen Nachbarn Kontakt hätte. So überdachte sie, dass es Sinn gab, mit den Eltern des Jungen einfach ein kurzes Gespräch machen zu sollen. Das nahm sie sich vor. Wobei sich tatsächlich andere darum kümmerten, was sie gut fand.

So folgte auch der längste Tag des Jahres und sie saß auf der Terrasse und wollte diesen einfach nur genießen. Der Knabe nebenan war mit seinen Eltern im Garten, auch genießend und das sehr laut. Es wurde spät, sie war kurz in der Küche und kam wieder zurück. Es war ruhig geworden. Seine Eltern werden ihn wohl in sein Bett gebracht haben, dachte sie. Sie setzte sich auf den Gartensessel und sah entspannt in Richtung des Innenhofes. Sie konnte aus der Sicht den oberen Teil des Bereiches von Emil Wolfbring betrachten. Dort stand er. Rhythmisch, wieder diesmal ohne Begleitung, bearbeitete er sehr intensiv scheinbar das Teil, das sich üblicherweise vorne in seiner Hose befand.

Wolfbring sah widerlich aus. Er war wieder, wie eigentlich immer, betrunken. Er schwitzte, stöhnte und üblicherweise wird ein solches Verhalten als sich selbst befriedigen, onanieren, masturbieren bezeichnet. Dabei schon als alter Mann zu bezeichnen. Maximal 30 Sekunden benötigte er wohl zum Schluss seines Tuns. Doch sie schrie, auch noch, als Wolfbring es geschafft und die Flucht ergriffen hatte. Wobei es für ein solches Tun in der Öffentlichkeit ohne Absprache glatt als Exhibitionismus bezeichnet wird. Da war sie sich sicher.

Was sie schockte war der Bereich an dem Zaun, der sich im Innenhof befand. Ein Bereich war von Abdrücken seiner Schuhe ausgefüllt. Natürlich hätte es sein können, dass Wolfbring sich für die junge Frau Nachbarin interessiert hatte. Marion war aber sicher, dass er dort den Knaben betrachten hatte und in ihm dabei viele Gefühle erweckt wurden.

So tat Marion das, was eigentlich in solchen Sachen gemacht werden soll. Sie rief die Polizei, sie machte eine Anzeige und hatte dabei wirklich gedacht, alles richtig gemacht zu haben. Dabei hätte sie eigentlich besser umgehend nach einer neuen Bleibe in einem anderen Ort suchen sollen. Sie hatte doch schon jede Art von Erfahrungen gesammelt ...


Text 1. Szene:

Sollte Marion dankbar sein, weil sie überlebt hatte? Der Schlag, diese Ohrfeige, die sie überlebt hatte? Die Gedanken, dass versucht worden ist, sie zu töten, was nicht gelungen war, aber dafür konnte sie nicht sprechen, nicht schreiben und sie saß in einem Rollstuhl. Es war für sie hart, das los zu lassen und wieder sprechen, schreiben, gehen und laufen lernen zu können. Das machte Marion stark und hart und sorgt auch für Nachdenklichkeit.
Wem sollte Marion danken, dass sie noch lebt? Z natürlich nicht, er zählt zu der Art Menschen, die nie da waren und sind, wenn man jemanden braucht. Dafür hatte er eigentlich auch ein Talent. Marion dachte über ihn nach und hatte eigentlich das Gefühl, dass sie auch immer für ihn da war, wenn er jemanden brauchte. Und wenn es nur darum ging, irgendwelche Blumen zu gießen.

Marion erinnerte sich plötzlich an eine Situation, die schon länger zurücklag. Doch sie erinnerte sich genau, er stand irgendwann vor der Wohnungstür, musste etwas dringend mit ihr besprechen. Seine Frau war irgendwie zur Kur, oder im Urlaub oder in irgendeinem Krankenhaus, weil wieder irgendetwas anders war als sonst. Und Z klagte über sein Dasein. Doch, sie erinnerte sich, dass er den Geruch nach Alkohol an diesem Tag verdeckt hatte. Er roch nach irgendeinem Duftmittel, nicht irgendetwas billiges, es roch schon nach mehr Geld.

Er hatte sich Mühe gegeben, aber letztendlich kam er zu seinem Wunsch. Er wollte mit Marion ins Bett, er wollte sogar so etwas wie eine Beziehung so nebenher mit ihr. Danach stand ihm der Sinn aber ihr natürlich nicht. Sie erinnerte sich auch, wie sie aus dieser dummen Situation herauskam. Marion hatte ihm erzählt, dass sie niemals mit einem verheirateten Mann ein Verhältnis anfangen würde. Auch, dass sie sich verlieben müsste, bevor sie sich nach Nähe sehnte. Sie war überzeugend. Irgendwie wurde sie in der Tat von ihm betrachtet, als müsste er ihr mit Respekt begegnen müssen.

Nach Marions Überleben hatte sich das Verhalten von ihm geändert. Er grüßte sie nicht mehr. Die, die ihn umgaben, ebenfalls nicht mehr. Wer wusste, dass Doris Wolfbring, die Frau des Kinderschänders, beschäftigt war, gegen sie zu hetzen. Natürlich gab es Menschen, die ihr zuhörten und davon gab es welche, die Doris glaubten. Die meisten taten das nicht. So ist das mit den Guten und den Bösen und ihrem Tun. Es war eh den meisten egal, was diese Frau von vielen Dingen erzählte. Die zum einen nicht stimmten und manche, denen es eh egal war.

So kam Marion die Gedanken von diesem Ereignis, welches sie schon längst vergessen dachte. Es kam hoch, als Z auf sie losging. Mit einer Wut ging er auf sie los, was sie zu tief getroffen hatte. Seine Wut auf sie und sie wusste warum, was sie schon lange ahnte. Was über Marion erzählt worden war, sie sei eine Hure, sie habe Verhältnisse zu anderen Nachbarn. So einfach war und ist es, die Schwachen zu täuschen. Und doch vernichtend wirken. Was sollte Marion sich sagen, dass sie besser damals mit ihm ins Bett gegangen wäre? Mit Sicherheit nicht. Sie hätte besser den Ort verlassen sollen, weg von dem Pädophilen und seiner Frau, nachdem sie ihm die Tour vermasselt hatte ...




 

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Tuna von Blumenstein
Mord in Genf

Der Krimi ist unter der ISBN 978-3-8482-2545-3 überall im gut geführten Buchhandel erhältlich und kostet 12,90 Euro. 

Die Handlung in diesem Buch ist fiktiv, die Namen frei erfunden. 


 



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